Als Jesus seine Jünger zusammenstellte, wusste er wohl um ihre Unterschiedlichkeiten und um ihre Animositäten. Und doch hat er gerade sie in seine Nachfolge berufen. Den Zweifler, den Selbstüberschätzer, den Eiferer, ja sogar den Verräter. Bis heute baut Jesus seine Gemeinde mit einer bunten Truppe von unvollkommenen und häufig unzulänglichen Persönlichkeiten.
Wen wundert es da, wenn es bei komplexeren Prozessen zu den unterschiedlichsten Reaktionen kommt? Daher sind auch im Hinblick auf unseren Umbau die verschiedenen Betrachtungsweisen und Fragen normal. Die einen sorgen sich: Ob unsere Mittel ausreichen und wir den Bau schaffen? Wann geht es endlich los? Wer ist verantwortlich für den Verzug? Andere sind eher pragmatisch und lösungsorientiert: Schön, dass die Planer im Hintergrund arbeiten. Was sind unsere nächsten Schritte, damit wir Anfang November Richtfest feiern können?
Entscheidend bleibt die Erkenntnis, dass wir miteinander auf dem Weg sind und nur gemeinsam ans Ziel kommen. Dafür dürfen wir alles vertrauensvoll in die Hände unseres guten Gottes legen. Gleichzeitig sollen wir denen, die in Verantwortung stehen, immer wieder neu unser Vertrauen entgegenbringen. Auf diese Weise trägt jeder Einzelne zum Gelingen bei, wenn wir füreinander beten und uns gegenseitig segnen. Mir persönlich hilft immer wieder das Bewusstsein von Gottes Größe und Souveränität. Deshalb liebe ich den Vers aus dem Propheten Habakuk (2,20): „Aber der HERR ist in seinem heiligen Tempel. Es sei vor ihm stille alle Welt!“.
Jesus liebt uns und sorgt für uns. Deshalb möchte er uns nicht be-lasten, sondern ent-lasten. Davon bin ich überzeugt. Selbst wenn er uns Lasten auflegt, hilft er uns sie zu tragen. Aus diesem Grund beschenkt uns der Geist Gottes mit Gaben und Begabungen. Gemeindebau, sowohl am Haus als auch an den Menschen, bedeutet immer wieder, dass wir zu Haushaltern der vielfältigen Gnade Gottes berufen sind. Deshalb weist uns Petrus an, wir sollen einander dienen, ein jeder mit der Gabe, die er oder sie empfangen hat (1 Petr 4,10). Dazu gehört auch, dass wir uns in Verantwortung rufen lassen. Das beginnt mit der Treue in kleinen Dingen, wie Kaffee kochen oder Kuchen backen. Es geht weiter mit organisatorischer Verantwortung, dem Leiten von Gruppen und Bereichen bis hin zur Gemeindeleitung.
Ich bete dafür, dass sich eine geeignete Person in die Gemeindeleitung wählen lässt. Jemand, der Freude hat, sich in die Gesamtverantwortung miteinzubringen, der einen kritischen Blick und ein hohes Maß an Selbstreflexion besitzt, der teamfähig und dienstbereit ist, und der sich dabei selbst weiterentwickeln möchte. Mit Vertrauen in Gottes Treue schaue ich zuversichtlich auf die Ersatzwahl, die wir für 6. September geplant haben.
Ich bete auch für geeignete Personen, die sich in unser Kinderteam rufen lassen. Jemand, für den Kindergottesdienst nicht zuerst Verzicht auf den Gottesdienst bedeutet, sondern Freude, mit unseren Kindern Qualitätszeit zu verbringen, der gerne gute Glaubensinhalte vermitteln und Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung begleiten möchte. Wir sind ernsthaft auf der Suche nach Unterstützung.
Ich bete außerdem um einen Geist des Gebets, für Menschen in unserer Mitte, die sich zu Betern berufen lassen. Was gibt es Größeres, als mit unserem Herrn im Gespräch zu sein und auf ihn zu hören. Wir haben dienstags unseren regelmäßigen, oft sehr kleinen Kreis. Er darf auch klein sein. Doch der Drang zum Beten, ob allein oder in Gemeinschaft, sollte in uns größer werden, wachsen und uns ausfüllen. Gesunder Gemeindebau wird immer auch von der Säule „Gebet“ getragen. Vielleicht ist diese stille, oft wenig sichtbare Berufung mit die kostbarste im Reich Gottes.
Übrigens, allmählich möchte ich mich an das gewöhnen, was schon im Werden ist. Wenn ich auf unser Gemeindegrundstück komme, sehe ich vor meinem inneren Auge bereits den fertigen Anbau.
„Je völliger der Glaube ist, je stärker steht er auch in der Gelassenheit, je mehr übergibt er sich dem Willen Gottes und traut ihm zu, er werde zur rechten Zeit es wohl machen“ (August Hermann Francke).
Stefan Taubmann