31. August 2026 | Allgemein Gemeindeleben aktuell

August Hermann Francke – der Gott vertraute

31. August 2026

In einer bewegten Zeit, nach dem 30jährigen Krieg, kam A. H. Francke am 22.3.1663 in Lübeck zur Welt. Während seiner Kindheit stand sein Vater in Gotha im Dienst am Hof von Ernst dem Frommen. Dort erlebte August Hermann zum ersten Mal Reformen in Kirche und Gesellschaft mit. Neben Beseitigung von Kriegsschäden ging es dem Herzog um Überwindung von Konfessionshass und um eine bessere Kindererziehung. Das beeindruckte den jungen Francke. Nach dem Willen seiner Eltern studierter er Theologie. Die Auslegung der Bibel in den alten Sprachen wurde zu seinem Spezialgebiet. Doch das Entscheidende fehlte ihm. Endlich erlebt er mit 24 Jahren in Lüneburg seinen geistlichen Durchbruch „im Gebet zu dem Gott, an den er nicht glaubte“. Der gelehrte Theologe hatte inneren Frieden und Heilsgewissheit gefunden. Von nun an gibt Francke seinen Glauben an Jesus Christus in Wort und Tat weiter.

Zu dieser Zeit war der Glaube vielerorts verkopft und in festen Formen erstarrt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstand mit dem Pietismus eine fromme Bewegung, die wieder einen persönlichen und lebendigen Glauben an Jesus predigte. Es entstanden Hauskreise, die collegia pietatis, zu denen neben Studenten auch einfache Menschen kamen. So hielt Francke in seiner Leipziger Zeit beispielsweise Lehrveranstaltungen in der Stube eines Bäckermeisters ab und zog wegen des großen Zuspruchs den Unmut der Ratsherren und der Geistlichkeit auf sich. Was für ein historischer Fehler der Leipziger Obrigkeit, dass Francke deshalb die Stadt verlassen musste. Durch Philipp Jakob Spener, der als „Vater des Pietismus“ gilt, kam Francke über Berlin nach Halle. Was für ein Segen für die Stadt an der Saale.

Nach Pest und zwei Stadtbränden in den 1680er Jahren wurde Francke 1691 zum Pastor der Georgenkirche in der Hallenser Vorstadt Glaucha berufen. Hier erlebte er steinigen Boden. Selbst harte Kirchenzucht, wie die Schließung von Wirtshäusern während der Gottesdienste, fruchtete kaum. In einer Stadt im finanziellen Ruin verwahrlosten viele Kinder ohne Schulunterricht. Um Abhilfe zu schaffen, gab Francke Schulgeld aus, das jedoch versoffen wurde. Die Schulbücher wurden verhökert. Deshalb gründete Francke mit dem Startkapital von 4 Talern und 16 Groschen, einem bescheidenen Betrag aus der Spendenbüchse, eine Armenschule mit anfangs neun Waisenkindern.

Wiewohl die Unterrichtsmethoden auf einem strengen Lehrsystem und Auswendiglernen beruhten, gelang August Hermann Francke die Entwicklung eines großen Bildungswerkes. Der sichtbare Erfolg der Armenschule brachte die Nachfrage von bürgerlichen Familien und sogar des Adels ins Rollen, so dass Francke eine Schule für Wohlhabende ins Leben rief. Mit dem Erhalt des königlichen Privilegs entstand 1702 mit dem „Paedagogium Regium“ eine führende Eliteschule. Innerhalb von 30 Jahren wurden Schul- und Wohngebäude erbaut, Werkstätten, Gärten und eine Apotheke angelegt. Francke ging es neben dem Lernen im Unterricht auch um den Erwerb praktisch verwertbarer Sachkenntnisse. Zu Besonderheiten der Franckeschen Anstalten gehören das Naturalienkabinett, ein astronomisches Observatorium, eine mechanische Werkstatt und der botanische Garten. Damit schuf Francke, seiner Zeit voraus, Schule zum Anfassen und Be-greifen, die „Realschule“. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine Schulstadt für bis zu 2.500 Menschen.

In der Folge wurde in Preußen die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Im gesamten Land entstanden Waisenhäuser und Schulen nach halleschem Vorbild. Über den Verlag des Waisenhauses und die Cansteinsche Bibelanstalt gelangten religiöse Schriften und Bibeln in die ganze Welt. Die Dänisch-Hallesche Mission gilt als erste organisierte Missionsgesellschaft in der protestantischen Kirchengeschichte. Bis heute erinnern sich tamilische Christen an ihre christlichen Wurzeln, die auf Missionare aus Halle zurückgehen.

Mit dem Titel „Bildungssysteme im Wandel der Zeit“ unternehmen wir als FeG Gera am 13. September eine Fahrt nach Halle. Bei einer Führung durch die Stiftungen lassen wir uns vom Gründergeist Franckes inspirieren. Die Exkursion wird gefördert durch den Freistaat Thüringen aus Mitteln des Landesprogramms Solidarisches Zusammenleben der Generationen.