Eine Hand voll mit Ruhe
Es scheint, unpassender könnte der Monatsspruch nicht beginnen, wenn wir als Gemeinde darauf warten, dass es endlich mit dem Hausbau losgeht. Wie die Faust aufs Auge schien mir der Vers aus Prediger 4,6: „Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“ Meine Parole wäre vielmehr, die Ärmel hochkrempeln und die Schaufel in die Hand nehmen. Loslegen, um fertig zu werden.
Doch die göttliche Weisheit kommt uns gerade dann entgegen, wenn wir schnell loslaufen wollen, um die vor uns liegenden Aufgaben zu bewältigen. So haben es die Jünger bei Jesus oft erlebt, wenn ihr Meister erstmal einen Umweg gegangen und sich Zeit für Menschen genommen hat, oder wenn er von der Arbeit weg die Stille gesucht hat, um zu beten. Gott geht in der Regel mit Ruhe und Bedacht vor. Zeiten der Vorbereitung, innerlich wie auch ganz praktisch, scheinen bei Jesus ihren Raum zu haben. Fast wie es der Volksmund sagt: Gut Ding muss Weile haben.
Manchmal stellt sich uns der Heilige Geist sogar in den Weg und lässt uns erst zur Besinnung kommen. „Durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein“, rief der Prophet Jesaja einst dem Volk Israel zu (Jes. 30,15). Denn Gott sah, wie sie ständig aus eigener Kraft heraus losstürmen wollten und dadurch nicht zum Ziel kamen. Deshalb mahnte sie die göttliche Stimme zunächst zur Umkehr und zum Stillhalten.
Der Monatsspruch bietet uns einen Vergleich. Was steht der „Hand voll mit Ruhe“ entgegen? Der Prediger sagt, es sind „beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind“. Dieses Bild hat es in sich. Denn Hände voller Arbeit und Mühe können zu einem Jagen nach Wind führen. Trotz immer mehr Bemühen und Schuften kann es sein, dass am Ende nichts übrigbleibt. „Meister, wir haben die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen“, sagten einst die frustrierten Jünger zu Jesus, als sie mit leeren Netzen am Seeufer standen. Jesus ließ sie nochmal hinausfahren, zum unpassendsten Zeitpunkt. Doch auf sein Wort hin warfen sie die Netze über Bord und brachten einen großen Fang ein. Manchmal merken wir erst hinterher, dass unser Start aus eigener Kraft holprig war und wir nur zusammen mit Jesus ans Ziel kamen. Es gibt Zeugnisse göttlicher Bewahrung, da wurden Menschen sogar am Losfahren gehindert und blieben dadurch vor einem großen Unglück verschont.
Segensreich ist oft das Stillhalten, zu beten, zu warten, eine Hand voll mit Ruhe zu haben.
Euer Stefan Taubmann