31. Oktober 2025 | Allgemein Gemeindeleben aktuell

Jesus Christus gestern, heute und derselbe in Ewigkeit

Ökumenische Andacht zum Reformationstag 2025

Über dem Portal unserer schönen Stadtkirche St. Salvator steht in großen Buchstaben ein Vers aus dem Neuen Testament, der jedem entgegenleuchtet, der mit offenen Augen auf die Kirche zukommt. Jesus Christus, gestern, heute und derselbe in Ewigkeit. Das ist ein Statement, wie wir es heute selten in dieser Klarheit öffentlich zum Ausdruck bringen. Ein Glaubenssatz, der uns als Vorübergehende, als Gäste auf Gottes Erdboden, einen festen und starken Anker bietet. Gestern, heute und derselbe in alle Ewigkeit. Im Glauben an diesen ewigen Gott im Hier und Jetzt verankert, können wir zurückschauen in die Geschichte und gleichzeitig mutig nach vorne blicken.

Wir feiern heute Reformationsfest und erinnern uns wie in jedem Jahr an die Errungenschaften der Reformatoren wie Martin Luther, die vor 500 Jahren so Maßgebliches geleistet haben. Die Neuentdeckung und Wiederbelebung um das Wissen, dass jedem Menschen im persönlichen Glauben an den lebendigen Gott, an Jesus Christus, die Tür zum Himmel offensteht. Und der Zugang zu den Verheißungen Gottes durch das gedruckte Bibelwort in der eigenen Sprache.

Wenn wir das allerdings nur so stehenlassen und uns lediglich erinnern, wird dieser heutige Reformationstag auf eine geschichtliche Rückschau reduziert. Dabei ist das Wort Reformation ein faszinierend starker Ausdruck. Wörtlich soll etwas zurückgebildet, re-formiert werden, wiederhergestellt und umgestaltet werden, und zwar nicht durch Anarchie, sondern planvoll, durchdacht. Die Reformatoren waren keine Revolutionäre, sondern in erster Linie große gläubige Denker ihrer Zeit, die uns ein geistiges und geistliches Erbe hinterlassen haben.

Nun sollten wir uns als Kinder des 21. Jahrhundert fragen, wohin wir heute wieder zurückgehen sollten, wo wir in der Vergangenheit vielleicht falsch abgebogen sind. Was sollte heute verändert und wiederhergestellt, ja neugestaltet werden?

Der Bibelspruch auf der Fassade von St. Salvator inspiriert mich zu einem dreifachen Imperativ: zurück zu alten Wurzeln, zurück zu alten Werten, zurück zu alter Stärke.

Wer wissen und verstehen will, wer er ist, muss zunächst zurückschauen, sich auf die eigenen Wurzeln besinnen. Wir erleben heute eine Zeit des nie dagewesenen Fortschritts in einem unglaublichen Tempo. Wer nicht aktiv auf der Höhe der Zeit bleiben will, der wird heute schon im mittleren Lebensalter abgehängt. Doch eine Schwäche dieses ständigen Nach-vorne-schauens, wann die nächste Generation Mobiltelefon oder Hosentaschencomputer auf den Markt kommt, ist das oft fehlende Innehalten und Rückbesinnen. Wo komme ich her? Wo liegen meine familiären Wurzeln? Was ist Heimat? Was haben die Generationen vor uns geschafft? All diese bewusst respektvollen Erinnerungen können so erdend sein. Leider wird die Sehnsucht nach der eigenen Identität häufig ideologisch und für extremistisches Gedankengut missbraucht. Doch im Gegenzug ist das Bewusstsein um die eigene Herkunft eine wesentliche Stärke für unsere Identität, persönlich wie auch als Gesellschaft, ebenso hier in unserer Stadt Gera. Der Reformationstag erinnert uns heute, so wie es St. Salvator stellvertretend für alle alten Kirchgebäude täglich tut, an unsere christlichen Wurzeln. Gestern, heute und in Ewigkeit geht es um Jesus Christus. Darauf dürfen wir uns zurückbesinnen. Denn ohne Gott und Sonnenschein? Ohne diese tragenden Wurzeln kann der Baum des Fortschritts nicht gesund weiterwachsen.

Der zweite Gedanke war: zurück zu den Werten! Ein Volk, eine Gesellschaft, die kein Wertfundament mehr achtet, kann sich nicht stabil weiterentwickeln. In diesen Tagen ist das Thema „Häusliche Gewalt“ immer wieder in den Medien präsent. Das ist wichtig. Denn wir müssen uns fragen, wie es dazu kommen kann, dass Menschen, meist betroffen Frauen und Kinder, gerade da zittern müssen, wo Familie ein sicherer Rückzugsort sein sollte. Vertrauen, Liebe, Respekt, das alles sind Werte, die sich aus unserer christlichen Geschichte ableiten lassen, die selbstverständlich auch mit humanistischen Leitbildern gelebt werden können. Entscheidend muss doch sein, dass wir alle zu diesen grundlegenden Werten zurückwollen.

Zurück, nicht um rückständig zu bleiben – Nein, früher war nicht alles gut – sondern zurück, um zu alter Stärke zu kommen. Wenn ein junger sogenannter Influencer sich öffentlich feiern lässt, dass er drei Tage am Stück acht Stunden gearbeitet hat, dass er dieses außerordentliche Experiment heil überstanden hat, dann frage ich mich nach der Schaffenskraft und Willensstärke unserer Großeltern. Sie haben es vielleicht mit den preußischen Tugenden hier und da übertrieben. Doch sie wussten, was es bedeutet, wenn WIR gemeinsam anpacken.

Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit. Der Gedanke von der alten Stärke dreht sich nicht nur um Fleiß und Ordnung. Eine Reformation unseres Denkens und unseres Glaubens kann uns wieder zurückbringen von der bodenlosen Beliebigkeit hin zu einem festen und unerschütterlichen Gottvertrauen. Unsere Gegenwart und unsere Zukunft sind vielfach bedroht. Von Naturkatastrophen, Kriegen, Armut und Hunger, doch auch von persönlichen Krisen, wie Krankheit, Verlusten und tausend Ängsten. Die Zusage des ewig treuen Gottes will uns ein Fundament sein, um zuversichtlich und hoffnungsvoll in das Morgen zu gehen. Ängste lähmen und blockieren. Zuversicht macht stark und resilient.

Deshalb lade ich Sie alle ein. Lasst uns in der Rückbesinnung auf unsere Wurzeln, auf unsere Werte und auf unsere Stärke vertrauensvoll und miteinander vorwärts gehen. Und gehen sie nie an St. Salvator vorbei, ohne sich diesen Spruch zu verdeutlichen. Jesus Christus, gestern, heute und derselbe in Ewigkeit.

Stefan Taubmann