Kann Zuversicht sterben?

Irgendwie passt der Monatsspruch zur Jahreszeit. Im Frühlingsmonat Mai heißt es im Hebräerbrief: „Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele.“ (Hebr. 6,19)

Landwirte, Gärtner und Forstarbeiter hoffen auf frostfreie Nächte, genügend Niederschläge und möglichst wenige Schädlinge. Im Mai setzt Wachstum ein und sie alle hoffen auf eine reiche Ernte.

In unserer so komplex gewordenen Welt gibt es noch ganz andere Hoffnungen: Ölpreis, Klimawandel, Frieden, Fußballweltmeister oder Wahlergebnisse, um nur einige zu nennen.

Du und ich, die einfachen Menschen, die in der großen Weltpolitik keine Rolle spielen, hoffen auch und ganz persönlich:
Werde ich wieder gesund? Reicht das Geld bis zum Monatsende? Reicht die Kraft für meine Kinder? Schaffe ich die Aufgaben, die mein Beruf mir abverlangt? Ich bin müde, ausgebrannt. Mein Lebensschiff treibt im Ozean der Hoffnungslosigkeit und mein Anker schleift über dem Meeresboden und findet keinen Halt.

In diese Situation spricht der Briefschreiber von Hoffnung als Anker unserer Seele. Gottes Zusagen sind Dünger für die Hoffnung, lässt sie wachsen und zum sicheren und festen Halt werden. Schön allgemein, gilt denn das auch für mich? Wenige Zeilen vorher nennt der Briefschreiber die Adressaten. Wer ist bitte schön „wir“? Menschen, die bei Gott Zuflucht gesucht haben und seinen Zusagen glauben. Menschen, die in Jesus ihren Freund, Lehrer, Bruder, Arzt und Herrn gefunden haben. Gottes Zusagen sind eine große Ermutigung, denn „wir wollen ja das vor uns liegende Ziel, die Erfüllung der Hoffnung, erreichen.“ (Vers 18).

Und so wird der platte Spruch: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, in`s Gegenteil verkehrt. Es ist unabänderlich wahr: Diese Hoffnung, die es vermag, einer menschlichen Seele Anker und Halt zu geben, stirbt nie! Diese Zuversicht kann nicht sterben. Sie lebt mit dem auferstandenen Christus.

E.-J. Müller