Eisenbahnstraße 5/7a


Juli – Neues wagen!


„Ich spiele das Konzert nicht! Ich reise ab!“ Es ist an einem kalten Januarmorgen 1975, als der Jazzpianist Keith Jarrett statt auf einen von ihm geforderten Bösendorfer Imperial Flügel auf ein absolut minderwertiges Instrument trifft. Tasten klemmen, nur die mittlere Tonlage gut gestimmt. Er will abreisen. Sofort. Doch die junge Veranstalterin, eine erst 18-jährige Schülerin, fleht ihn in schlechtem Englisch an, doch das Konzert zu spielen. Schließlich willigt Keith Jarrett ein. „Ich spiele. Aber vergessen Sie es niemals: nur für Sie!“. Jarrett spielt. Hält sich im mittleren Tonbereich auf, umgeht kritische Tasten und hämmert auf das Klavier ein, weil es einfach nicht die normale Lautstärke erreicht. Die Aufzeichnung des Konzerts war abgeblasen worden, doch die Tontechniker machen einen Mitschnitt für sich. An einer Stelle hört man, wie Jarrett die Melodie des Pausengongs der Kölner Oper nachspielt und variiert. Der Mitschnitt dieses Konzerts wird das erfolgreichste Solo-Jazzalbum aller Zeiten: The Köln Concert. Das Köln Konzert.

Aus einem Desaster wird der größte denkbare Erfolg. Warum? Weil Jarrett bereit war, seine üblichen Denkmuster zu durchbrechen und etwas zu wagen. Sich überraschen lassen vom Leben und Unvorhergesehenes nicht direkt als Bedrohung zu empfinden, sondern als Chance zu etwas Größerem. Gott liebt solche Überraschungen. Wir erleben sie, wenn wir Kontrolle loslassen und uns unterbrechen und überraschen lassen. Dann entsteht zwischen Geschöpf und Schöpfer etwas Unerhörtes, Neues. Nicht begrenzt von unserem kleinen Denken. Solange wir aber in gewohnten Denkmuster verharren und nicht bereit sind, Neues zu wagen, Neues zuzulassen, solange werden wir auch nur innerhalb dieser gewohnten Denkmuster leben und Segen ernten.

Horchen wir als Gemeinde in dieser zweiten Jahreshälfte vertieft auf Gott. Wozu er uns ruft. Wo sein Herz schlägt. Werden wir neugierig auf das, was er vorhat. Unsere Gemeinde ist wie alles im Reich Gottes auf Wachstum angelegt. Dieses Wachstum können wir nicht machen, aber wir können es verhindern und fördern. Wir brauchen einander, aber wir brauchen vor allem Herz. Gebet. Offenheit. Mut. Gott ist unterwegs in Gera und bereitet sein Volk vor. Wollen wir es entdecken? Darf es bei uns Raum finden?

 

Euer Christof

Schreibe einen Kommentar

*