Eisenbahnstraße 5/7a


Denkanstoß



Nachdenken über Gott und die Welt,

über Fragen des Lebens,
das Woher und Wohin,
über den Alltag und
besondere Momente.
Denkanstoß – Anstoß nehmen?
Auf jeden Fall eine Einladung
zum Nachzudenken
über Gott und die Welt…

 

 

 


 

Dezember – Was mich bewegt
von Oliver Rittrich

Es ist 8 Uhr morgens. Die letzten Stunden waren anstrengend. Jetzt sitze ich hier an der Bettkante eines mir fremden Bettes und meine Tränen laufen, ich bin sprichwörtlich sprachlos und meine Emotionen überrollen mich wie eine Vierzigtonner LKW. Ich kann nichts dagegen tun. Ich kann meine Gefühle kaum in Worte fassen. Die Geburt unserer Tochter Mathea Noemi ist, wie schon die unserer drei großen Kinder, überwältigend. Dieses Glück, diese Freude… einfach unbeschreiblich. Es verändert einfach alles.
Die Zeit scheint still zu stehen. Jetzt liegt sie da, in den Armen meiner Frau. Dieses kleine Wesen, dass die nächsten Jahre voll in unserer Obhut steht. Als ich diesen Moment gerade in meiner Erinnerung wieder erlebt habe, musste ich an Jesu Aussage denken, dass es im Himmel eine riesige Freude geben wird über jeden Menschen, der geistlich neu geboren wird. Wenn diese Freude der Engel nur annähernd so groß ist, wie meine über dieses kleine Wesen, dann scheint es eine riesige Party zu sein. Wenn ein Kind nun geboren wird, so steht dessen Entwicklung in der Verantwortung der Eltern. Es liegt an uns, was wir diesen kleinen Wesen mitgeben, welche Wege wir sie leiten, was wir sie lehren und vor allem, wie wir sie lieben. Ebenso möchte der Heilige Geist einen wiedergeborenen Menschen leiten, lehren, trösten und lieben. Dazu befähigt er auch uns. Die einen mit der Begabung zu lehren, die andern zu trösten und uns alle (hoffentlich) zu lieben. Als Gemeinde sind wir die Familie für alle, die das neue Leben geschenkt bekommen haben. Für eine Familie ist der Zuwachs aber nicht nur Aufgabe. Wir haben auch die Chance uns von diesen Neuen hinterfragen zu lassen: in unseren Prioritäten, in unserer Kommunikation, in unserem Umgang miteinander. Dies trifft sowohl in der geistlichen, wie auch in der biologischen Familie zu. Ach übrigens… manchmal werden wir auch in unserer ‚wichtigen Arbeit’ unterbrochen von diesen Neulingen… so, wie Mathea mich unterbricht, während ich diese Zeilen schreibe.
Sie braucht mich – ganz dringend.

Euer Oliver Rittrich

 


 

Liebevolle Beziehung
„Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein
und sie sollen mein Volk sein.“

Als nach der Bundestagswahl im September ein älterer Herr, der stets dasselbe grau-beige karierte Sakko und eine Krawatte mit Elefantenmotiv trägt, in die Mikrofone rief: „Wir werden sie jagen!“ und „Wir holen uns unser Volk zurück!“, hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Zu diesem Volk möchte ich gar nicht gehören, war mein erster Gedanke. Und mehr als drei Viertel des Volkes haben diesen Herrn und seine Mitstreiter gar nicht gewählt. Und doch hat das deutsche Volk in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jh. genau so etwas schon mal erlebt. Mit den bekannten Folgen. Da möchte ich lieber zum Volk Gottes gehören. Da gibt´s zwar kein Parlament und keine Wahlen, ja nicht mal Demokratie, aber es gibt Glaube, Hoffnung und Liebe. Diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen. Und Gott, der über Landschaften, Länder und Gaue* regiert und sich seinen Regierungssitz überall errichten könnte, liebt sein Volk und sagt: „Ich will unter ihnen wohnen.“ Also mittendrin in seine bunten Volk mit schwarzen, braunen, gelben, roten und weißen Frauen und Männern. Merkt ihr was? Blaue* Menschen sind da gar nicht dabei. Gott wählt also sein Volk aus, sucht sich eine Wohnung mittendrin und ist da. Einfach da und ansprechbar. Bleibt die Frage: Wie bekommt man ein Bürgerrecht im Volk Gottes?
Was muss ich tun, um zum Volk Gottes zu gehören? Gar nichts, weil der große Gott, der uns im Mutterleib bereits erkannte und geformt hat und noch vor unserer Geburt mit den Bürgerrechten des Gottesvolks ausstattete, uns Beziehung anbietet. Diese liebevolle Beziehung wünsche ich uns allen!

 

Euer
Erkan-J. Müller

*zum Beispiel Breisgau oder Chiemgau
*Blau ist eine Parteifarbe, der im Deutschen Bundestag vertretenen Fraktionen.

 


 

Jesus – unser Wegbegleiter
von Eva Lenzen

Noch nicht lange lebe ich nun hier im schönen Gera. Und doch kommt es mir sehr lange vor, weil ich erst jetzt – nach fast drei Monaten – erst richtig ankomme. Ich habe turbulente und schwere Jahre hinter mir und „darf“ nun für ein paar Monate eine „Auszeit“ oder eher „Arbeitspause“ einlegen. Wie sehr habe ich mich vor dem Umzug auf diese Pause gefreut! Dann kommst du endlich zur Ruhe, dann kannst du dich um deine Seele kümmern, dann kannst du mehr Zeit mit Gott verbringen – habe ich mir voller Vorfreude immer gesagt. Dann…dann…dann… Und jetzt ist „dann“ eigentlich schon wieder fast halb vorbei, stelle ich mit Erschrecken fest. Ich empfinde keine Ruhe, um die Seele hab ich mich nicht gekümmert und die Zeit mit Gott hat sich nicht intensiviert…. Warum??
Wir haben alle unsere Aufgaben und Pflichten, die erledigt werden müssen oder sollen. Oft ist am Ende der Pflichten keine Zeit und auch keine Kraft mehr übrig für die Seele und für die Zweisamkeit mit Gott. Wie schnell geben wir Dingen, die vor uns liegen, die Macht, sich zu einem riesigen Berg aufzutürmen. Wir haben dann drei Möglichkeiten so einem „Berg“ zu begegnen.
Erstens: Wir beschweren uns, dass das gar nicht zu schaffen ist und geben gleich auf.
Oder zweitens: Wir rüsten uns mit Bergschuhen, Pickel, Seilen, Regenjacke und einem schweren Rucksack mit allen Dingen, die wir meinen zu brauchen, weil der Berg ja nur mit viel Mühe und äußerster Kraftanstrengung zu bewältigen sein wird!
Oder drittens: Wir gehen einfach los – voll Vertrauen Schritt für Schritt an Jesu Hand, der uns zeigt, dass der Berg gar nicht so bedrohlich hoch ist! Er geht jeden Tag, jeden Schritt mit uns und begegnet uns beim Spülen, beim Einkaufen, bei den Hausaufgaben, bei der Arbeit… Er ist immer da! Wir nehmen ihn oft nur nicht wahr – spüren ihn nicht…. Gott schenkt uns unseren Platz im Leben. Hier sollen wir wirken und sein – egal, was wir gerade tun oder was unsere Aufgabe ist. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er uns jeden Schritt lenkt und für jeden Schritt auch die ausreichende Kraft schenkt! Er ist da!! Was möchte ich also nun bei mir ändern? Ich möchte meinen Weg bewusst mit ihm gehen – egal ob in der Auszeit oder im Arbeitsleben – mit ihm im Gespräch bleiben – auch über Kleinigkeiten. Und wenn es anstrengend wird, möchte ich seinen Namen atmen: „Jesus“ einatmen und „Christus“ ausatmen. Das gibt mir neue Kraft und zentriert mich auf den Mittelpunkt Jesus, um den allein es geht! Ich wünsche euch allen einen gesegneten Oktober mit vielen schönen Momenten an der Hand unseres Wegbegleiters Jesus!

 


 

Losgehen!
von Pastor Christof Lenzen

Was ist denn der Glaube? Er ist ein Rechnen mit der Erfüllung dessen,
worauf man hofft, ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer
Dinge.                                                                             Hebräer 11, 1 (NGÜ)

Glaube bedeutet loszugehen, selbst wenn ich nicht weiß, ob oder wann das Wunder passiert. Glaube bedeutet Vertrauen ohne absolute Klarheit vorher über den Weg und über das Gelingen. Woher kennen wir das noch? Richtig: So lassen wir uns auch auf Freundschaften und Partnerschaften ein im Vertrauen darauf: Das bekommen wir hin. Wir wissen: Der Andere wird sich auch verändern, mir wird nicht alles gefallen, manches wird toll sein, manches anstrengend – aber: Wir hoffen auf das Wunder der Liebe. Wir erwarten und wünschen uns, dass der Weg sich ebnet und wenn es nicht anders geht, nehmen wir uns Freunde oder Berater dazu, die uns zwischendurch stützen und gute Ratgeber sind.

So geht man – wenn man es realistisch angeht – Beziehungen ein. Aber – es gibt auch Menschen, die sind so verletzt, dass sie absolute Sicherheit brauchen. Und deswegen nie heiraten, weil sie nicht überrascht werden wollen. Oder aber Beziehungen und Partnerschaften eingehen, sich aber nie tief auf sie einlassen können. Eben weil die 100% Sicherheit nie gewährleistet ist – und Freundschaft und Liebe immer ein Wagnis! Solche Menschen bleiben dann leider oft für sich und mit sich allein. Manchmal IN Beziehungen. Traurig.

Im Glauben gibt es diese Blockaden auch. Jesus lädt uns als Einzelne und als Gemeinde zu Wagnissen ein. Zu glauben, wo andere Glauben schon aufgegeben haben. Wer aber eine Sicherheit sucht außerhalb der absolut sicheren Person Jesus Christus, der wird stehen bleiben und unter seinen Möglichkeiten im Glauben bleiben. Gott ebnet den Weg vor uns. Er leuchtet den nächsten Schritt aus. Aber er bietet uns keine hell beleuchtete Schnellstraße mit Ankommgarantie, sondern will, dass wir im Vertrauen auf sein Wort losgehen. Was brauchen wir dazu? Ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer Dinge. Ein Rechnen damit, dass diese Dinge stärker und wirklicher sind als meine und deine Geschichte. Und dann los. Mir schlottern manchmal vor solchen Schritten kräftig die Knie. Aber im Gehen werden die Knie fest und der Schritt sicher. Willst du, wollen wir es wagen?
Das wäre Glaube.

 


Was mich bewegt

Gemeinde auf festem Grund
„Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde
an Erkenntnis und aller Erfahrung.“

Diese Worte schreibt Paulus an die Gemeinde in Philippi. Es ist der Monatsspruch für Juli. Und das hat mich getröstet. Im Juni haben wir in der Gemeinde Gera Ungewöhnliches, Verwirrendes, Belastendes erlebt. Die Gemeindemitglieder mussten sich mit dem Verhalten einer Einzelnen auseinandersetzen. In der Versammlung war viel von Liebe zu spüren. Einige haben mit ernsten, aber liebevollen Worten ihre Meinung kundgetan. Einige haben an das Herz appelliert. Die Geschichte vom Leuchtturm und dem Schlachtschiff hat mir besonders gut gefallen. Ich freue mich darüber, dass Jesus einen festen Grund gelegt hat, ein Fundament für das Haus, das sich Gemeinde nennt. Und er hat zu seinen Leuten gesagt: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Beides zusammen ist schon ein schönes Bild für einen Leuchtturm.
In schwerer See mit extrem hohen Wellen – um im Bild zu bleiben – befinden sich auch jetzt noch zwei Gemeindefamilien. Hier ging es buchstäblich um das Leben.
Es ist das Kostbarste, was wir von Gott bekommen haben. Unser Herr hat das Leben eines Mannes, der zu uns gehört, erhalten. Dank, Lob und Anbetung diesem wunderbaren Herrn! „Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge bei Großen und Kleinen.“ Das Bekenntnis des Paulus leitet uns durch den August. Darf ich euch bitten, euch ganz neu bewusst zu machen, wann, wo und wie ihr Gottes Hilfe erfahren habt?

Erkan-J. Müller

Was mich bewegt… ist eine für alle offene Form, Gemeindeleben
transparent zu machen, einander Glaubenserfahrungen und das Wirken
des Heiligen Geistes mitzuteilen. Wer diese Rubrik im Gemeindebrief
füllen möchte, wendet sich bitte an Erkan, Thomas Müller oder ganz einfach hier..

 


Monatsimpuls für Juni 2017

Druckausgleich
von Pastor Christof Lenzen

DRUCK! Wir alle erleben Druck und antworten auf ihn. Seelisch, irgendwann auch körperlich. Mit Gegendruck, hart werden, Spannung aufbauen – irgendwann vielleicht dran zerbrechen. Doch muss das so sein? Wie reagieren die Männer und Frauen in der Bibel auf massiven Druck? Folgende Situation: Jesus ist auferstanden von den Toten. Aufgefahren zum Himmel. Hat seinen Heiligen Geist ausgegossen und der wohnt nun in den Männern und Frauen, die begeistert sind von dieser neuen Botschaft, dass Jesus Christus der Retter der Welt ist und durch Glauben rettet. Also beginnen
sie, das öffentlich weiter zu erzählen. Viele glaubten dieser guten Nachricht. Es entstand die erste christliche Gemeinde. Die Menschen feierten fröhliche Gottesdienste und halfen sich gegenseitig. Bei der religiösen Elite aber breitete sich Unruhe aus. Sie ließen die Jesusjünger, die Apostel, in ein öffentliches Gefängnis stecken. Doch über Nacht wurden sie von einem Engel befreit. So schreibt es die Apostelgeschichte. Und am nächsten Morgen standen die Apostel schon wieder auf dem weitläufigen Tempelgelände und erzählten den Menschen von Jesus und dem Glauben an ihn und von dem Leben mit Gott. Daraufhin zitierte man die Apostel zu einer Anhörung vor den Hohen Rat, dem wichtigsten religiösen Kontrollorgan und verbot ihnen, ihre Lehre weiter zu verbreiten. Die Antwort der Apostel: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ (Apg. 5, 29). Die Apostel sind nicht kaputt zu kriegen! Steck sie ins Gefängnis – sie machen weiter! Zitier sie vor die religiösen Wächter, die über die wahre Lehre achten – sie setzen ruhig und klar Grenzen und machen einfach weiter. Sie reagieren nicht auf Druck! Wie machen die das? Dahinter steckt ja nicht nur die Frage nach unserem Verhalten unter äußerem Druck, wenn Menschen uns anklagen, hinterfragen, in die Enge treiben in unserem Glauben. Eins weiter gedacht läuft dasselbe Szenario auch in unserem Inneren ab! Stimmen in uns ringen um ihr Recht gehört zu werden und fordern Gehorsam. Alte Stimmen zumeist und manchmal stehen sie dem Weg des Glaubens sperrig im Weg. Wir würden gerne den Glauben intensiver und eindeutiger leben – aber alte Stimmen klagen an, begrenzen, ziehen herunter. Wie gehen wir damit um? Was lernen wir von den Aposteln?

1) Sie sind voll des Heiligen Geistes. Ohne diese Fülle (um die wir täglich bitten dürfen) gelingt das Glaubensleben nicht – dann rutscht es wieder ab in eigene Leistung.

2) Begeisterung. Wer Jesus und sein Werk der Gnade tief in sich aufnimmt, wird entzündet und leidenschaftlich brennend, ohne auszubrennen! Gegen eine solche Leidenschaft haben Stimmen keine Chance.

3) Die Apostel kämpfen als Gruppe. Ein Einzelchrist ist wie ein Baum auf einer Lichtung – anfällig für Gegenwind, gerade wenn die Wurzeln noch frisch sind. Als Gruppe, als Gemeinde, die gemeinsam voran geht, sind wir stärker! Lassen wir uns von Geschwistern ermutigen und ermutigen diese! Miteinander weinen und lachen!

4) Nicht gegen die falschen Stimmen kämpfen und Gegendruck ausüben. Genau das macht sie stärker. Die Apostel setzen ruhig und bestimmt Grenzen, aber schlagen nicht mit derselben Gewalt oder Aggressivität zurück. So dürfen wir die Stimmen in uns auch ruhig annehmen, aber auch begrenzen. Sie in die Begegnung mit Jesus führen – das verändert sie.

Ich wünsche uns für das kommende Quartal mehr von dieser Dynamik! Wir dürfen darum bitten und die Hände und Herzen in diese Richtung öffnen! Gott beschenkt diese Sehnsucht gerne!


Monatsimpuls für Mai 2017

Gesalzenes Bibelwort
„Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.“

Dieses geniale Bibelwort steht im Kolosserbrief. Dieser Hinweis des Apostels Paulus ist zwar hunderte von Jahren alt, aber aktuell, weil zeitlos.
Sein Rat gilt bis heute und uns heute: Seid immer freundlich, aber redet, wenn ihr redet, kein unnützes Zeug. Zum Reformationsjubiläum ist es erlaubt, Martin Luther nach seiner Meinung zu diesem Thema zu fragen. „Ein Christ soll und muss ein fröhlicher Mensch sein. Ein Christ soll wenig Wort und viel Tat machen.“, schreibt er uns hinter die Ohren. Oder – was mir wegen der Kürze noch besser gefällt:
„Tritt fest auf, mach´s Maul auf, hör bald auf.“ Doch zurück zum Salz: Jesus hat in der Bergpredigt zu seinen Zuhörern auch vom „weißen Gold“ gesprochen. „Ihr seid das Salz der Erde…!“ Egal, ob der brillante Redner Paulus die Bergpredigt im Detail kannte oder nicht, ist dieses „Reden mit Salz“ eine Aufforderung zum überlegten Vortragen von Argumenten und zum freudigen Verkünden der Heilsbotschaft des auferstandenen Christus. „Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.“, so der vollständige Vers. Hier erfahren wir also, wozu dieses Wortspiel lieblich und salzig gut sein soll. Beides gehört zur Kommunikation.
Freundlich im Ton und fest in der Sache sollen wir das Evangelium zu den Menschen bringen. Nach der süßen Schokolade zu den Osterfeiertagen darf uns das Salz ebenso schmecken, weil wir Nachfolger Jesu sind und seinen Auftrag erfüllen – also Salz und Licht für die Welt sind (nicht sein sollen).
In diesem Sinn wünsche ich allen einen „salzigen“ Mai 2017. Nun aber M. zu und aufgehört!

Euer Erkan-J. Müller


Monatsimpuls für April 2017

Auferstehung heißt Leben

Der Tod gehört zum Leben, sagt eine Volksweisheit. Ich kenne eine Menge Leute, die das nicht so sehen. Tod ist für sie ein Tabuthema.
In der Passionszeit beschäftigen sich viele Menschen aber sehr intensiv mit dem Tod. Christen zum Beispiel. Wer nicht allzu schnell zur Auferstehung Jesu eilt, verharrt in innerer Einkehr beim Karfreitag. Vor dem (neuen) Leben unseres Herrn ereignete sich erst sein Tod.
Und der war grausam genug. Da ging nicht nur ein Riss durch den Vorhang im Tempel, da ging der Riss durch die Herzen seiner Freunde, Nachfolger und Jünger, Männer und Frauen. Der Ratsherr Joseph, ein guter und frommer Mann, wie die Bibel uns berichtet, gehörte wahrscheinlich nicht zum engsten Kreis der Menschen, die Verlust und Trauer spürten, weil Jesus gekreuzigt worden war. Trotzdem stellte er seine neue, unbenutzte Grabhöhle zur Verfügung und nahm sich des Leichnams an. Das war mutig und pietätvoll. Und es war das Letzte, was man von ihm hörte. Jetzt treten Frauen auf. Frauen bereiten spezielle Salben zu, um Jesu Leib einzubalsamieren. Frauen finden das leere Grab, Frauen sehen Engel, verstehen ihre Botschaft und verkünden sie den Jüngern und allen anderen. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ Diese Botschaft begriffen die Frauen sofort, weil sie einfach ein besseres Gedächtnis als die Männer hatten (Lukas 24, 8). Ein Lebendiger, ein Lebender kann sich nicht bei Toten wohlfühlen. Der auferstandene Jesus hat Besseres zu tun. Zum Beispiel sich um ungläubige und zweifelnde Männer zu kümmern. Ihnen Auferstehung zu demonstrieren.
Uns Lebensperspektive zu geben, weil er den Tod überwunden hat. Gut zweitausend Jahre später ist die Lebenswirklichkeit in unserer Gesellschaft bei Themen wie Leben und Tod oft immer noch Frauensache. Mütter schenken Leben, leisten in der Familie enorm viel.
Frauen werden Krankenschwester oder Altenpflegerin. Frauen nehmen sich den Altgewordenen in der eigenen Familie an. Frauen begleiten Sterbende und kümmern sich in anderen Kulturen um Verstorbene. Das Neue Testament weist Frauen in der Auferstehungsgeschichte eine besondere Rolle zu; sie haben es verdient!

Frohe Ostern allen Frauen, Männern und Kindern wünscht
Erkan-J. Müller


Monatsimpuls für März 2017

Mensch, benimm dich!

Ein Monatsspruch aus dem 3. Buch Mose ist eher selten. Hier finden sich kaum
erbauliche Bibelworte. Das 3. Buch, griechisch Levitikon genannt und auch als
Leviticus bekannt, enthält die Lehre von den Priestern und ihren Aufgaben. Streng
genommen ist es ein Gesetzbuch.
In 27 Kapiteln gibt es 18 Mal das Wort „Gesetz“ in der Überschrift.
Das 19. Kapitel regelt das Zusammenleben der Familien und Nachbarn:

„Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten (ehrfürchtig sein) vor deinem Gott; ich bin der Herr.“ – Vers 32.

Offensichtlich eine Mahnung an die jüngeren Leute, die Altgewordenen und Gott zu ehren. Sicherlich zu Recht, da zu jener Zeit auch nördlich des Mittelmeeres der griechische Philosoph Sokrates (* um 469 v. Ch., † 399 v. Ch.) Grund zur Klage hatte:
Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. Nun ließe sich trefflich die Klaviatur der Vorurteile rauf und runter spielen und alle Verurteilungen der frechen Jugend klischeehaft bedienen. Darauf möchte ich gern verzichten und dafür eure Aufmerksamkeit auf den Vers vor und den Vers nach diesem Monatsvers lenken. Zuvor die Mahnung, sich nicht mit Aberglauben zu beschmutzen (war neulich Predigtthema) und danach – höchst aktuell – die Flüchtlingsproblematik. Alles Themen, die uns rund dreitausend Jahre nach Mose immer noch zeitgemäß erscheinen. Höflichkeit und gutes Benehmen sind keine Frage des Alters oder der Erziehung, sie sind eine Frage der Wertschätzung unseres Nächsten. Der Nachsatz „Ich bin der Herr“, darf uns auch daran erinnern, den zu ehren, dem alle Ehre gebührt, denn das bedeutet, Gott fürchten.
Gutes Benehmen schadet nicht, also (junger) Mensch benimm dich!

Erkan-J. Müller


 

Monatsimpuls für Februar 2017

„Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!“ Lukas 10, 5
Die beiden ersten Monatssprüche für das neue Jahr sind einer ähnlichen
Thematik entlehnt. Jesus und seine Jünger oder Schüler. In der guten alten Lutherübersetzung ist die Rede von der Aussendung der 70 Jünger. Jesus sandte immer zwei vor sich her, um die Orte, die er durchwandern wollte, auf seine Ankunft vorzubereiten. Dabei gab er ihnen die Weisung mit, Frieden zu verbreiten. Bereits im Januar konnten wir von der Berufung des Simon Petrus und den beiden Brüdern Jakobus und Johannes in den engsten Kreis der Jesus-Vertrauten lesen. Die drei Berufsfischer hatten eine Nacht vergeblich auf einen Fang gehofft und nun forderte Jesus Simon auf, nochmals das Netz auszuwerfen. Die Autorität des Zimmermanns und Wanderpredigers hätte kaum so eine Reaktion hervorgerufen:
„Auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.“ Lukas 5, 5
Die Autorität des Gottessohns hingegen schon. Schließlich war Jesus für Simon kein Unbekannter. In seinem eigenen Haus hatte Jesus die kranke Schwiegermutter geheilt. Simon gehorchte und tat den Fischzug seines Lebens. Die gesamte Fischpopulation des Sees Genezareth muss in jener Stunde vor dem Ufer versammelt gewesen sein. Die Netze fingen an zu reißen und die zu Hilfe gekommenen Berufskollegen erlebten einen Fang, der seines Gleichen suchte. Zwei Fischkutter waren so beladen, dass sie zu sinken drohten. Ein Wunder! Ein gewaltiges Erschrecken bei den Fischern. Simon Petrus fällt Jesus zu Füßen: „Geh weg. Ich bin ein Sünder.“
Und jetzt kommt das Wesentliche. Ein riesiger Haufen Fisch ist das eine. Die Berufung von Sündern, einfachen Fischern, Menschen wie du und ich in den Kreis der Zwölf ist das andere. „Fürchte dich nicht, denn ab jetzt wirst du Menschenfischer.“, sagte Jesus. Und die drei ließen alles stehen und liegen und folgten ihm. Diese Begebenheit darf uns erinnern, was vor der Nachfolge kommt. Sündenerkenntnis und Umkehr. Jesus ist damals für Sünder in die Welt gekommen. Er rettet auch heute noch. Lasst uns Menschenfischer sein!
Ich wünsche euch einen „fischreichen“ Februar.

Erkan-J. Müller


 

Monatsspruch Januar 2017

Präses Ansgar Hörsting zur Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Hesekiel 36,26

Gott versteht etwas von Erneuerung. Er ist extrem innovativ und war es immer. Durch seinen Heiligen Geist ist er ständig dabei, zu erneuern. Ich stelle mir Gott so vor, dass er daran sehr viel Freude hat und ständig überlegt, wie er wo wieder mal erneuern kann. Er tüftelt Erneuerungspläne aus. Wie ich darauf komme?

Durch den Propheten Hesekiel verspricht er ein neues Herz und einen neuen Geist. Herz und Geist, das sind Wille, Denken, Schaltzentrale des Menschen und somit auch Gefühle und Entscheidungen. Diese macht Gott neu! Durch den Glauben an Jesus erneuert er fundamental: „Wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung, das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2.Kor. 5,17). Und am Ende wird er sogar einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen (Offb. 21). Er beschreibt sein Handeln so: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offb. 21,5).

Gott verändert, um zu retten

Erneuerung, die brauchte Israel und die brauchen wir dringend. Nicht im Sinne von „modisch“ oder „Hauptsache anders als bisher“. Es geht um mehr. Wir sind im alten Muster, in unserer Schuld gefangen und das ist tödlich. Der Prophet sprach in eine verfahrene Situation. Denn das von Gott erwählte Volk mag noch so gute Vorsätze und ebenso gute Voraussetzungen durch das Wirken Gottes in Israels Geschichte gehabt haben. Aber es zeigte sich, dass es aus eigener Kraft nicht in den Wegen Gottes geht und seine Gebote missachtet. Ein Dilemma, das letztlich jeden Menschen betrifft.

Gottes Erneuerungshandeln rettet und verändert. Und immer wünschen wir uns, mehr von Gottes Innovationen zu erleben. Deswegen legt Gott selbst Hand an und schenkt ein neues Herz und einen neuen Geist.

Aus Gewalt wird Liebe

Ich denke an einen Mann in einem asiatischen Land, den ich vor Jahren in einer illegalen Siedlung kennenlernte. Es war normal für ihn wie für seine Umgebung, seine Frau zu schlagen, wenn es zu Konflikten kam. Er kam im höheren Alter zum Glauben an Jesus Christus. Ohne dass irgendjemand mit ihm darüber gesprochen hätte, wurde ihm klar: Das geht so nicht. Ich kann und will meine Frau nicht mehr schlagen, ich will sie lieben. So erneuerte der Heilige Geist diesen Mann, seine Ehe und bald auch seine Frau. Ein Wunder, das Auswirkungen hatte.

Mir wurde klar

Ich denke daran, wie Gott mich, als ich ihn kennenlernte, erneuerte. Mein Herz fand Frieden, ich wusste, wem ich gehöre. Es war wunderbar. Und ohne, dass mich irgendjemand ermahnt hätte, wurde mir klar: So wie bisher kann ich nicht mehr Alkohol trinken. Die Besäufnisse passen nicht zum neuen Leben, das Jesus mir geschenkt hat. Ich lebe nicht abstinent, aber kenne die guten Grenzen.

Wir brauchen Erneuerung

Und so gibt es viele Felder, in denen Gott erneuert: in Beziehungen, wenn Schuld oder Schicksal es unmöglich erscheinen lassen, in Frieden miteinander zu leben. Dann brauchen wir das offene Wort. Und wir brauchen Versöhnung. Der Heilige Geist schenkt die Kraft dazu und er stupst uns an, Versöhnung immer wieder zu suchen.

In Gemeinden, wenn die äußeren Formen noch gewahrt werden und das Programm läuft, aber die Herzen kalt sind und das Wort Gottes im Raum hängen bleibt. Dann brauchen wir Mut zur Bestandsaufnahme. Und wir brauchen Weisheit, harte Wahrheiten so auszusprechen, dass sie helfen und nicht zerstören. Der Heilige Geist schenkt beides. Er erneuert Liebe, Anteilnahme, er erneuert das, was Gemeinden lebendig macht: Freude, Lachen, Trost, Liebe, das sind seine Spezialgebiete. Und so werden Gemeinden erneuert.

Im persönlichen Leben, wenn wir uns müde und ausgebrannt fühlen. Der Heilige Geist kann uns zeigen, was sich ändern muss. Er ist nicht der, der uns ausbrennen lässt, ganz sicher nicht. Er zündet uns an, ohne dass wir ausbrennen. Er erneuert uns persönlich.

Jahr der Reformation

2017 ist das 500. Jahr der Reformation. „Christusfest“ wird es genannt. Wir ehren das Andenken und fördern das Anliegen der Reformation, wenn wir auf Jesus Christus verweisen, immer und immer wieder. Wer an ihn glaubt, wird die erneuernde Kraft Gottes erfahren. Diese Kraft wird dann auch durch unsere Gemeinden fahren und uns Leidenschaft, Liebe und Freude schenken. Davon bin ich fest überzeugt.

Die Jahreslosung jedenfalls ist eine reformatorische Ansage: Gott schenkt ein neues Herz und einen neuen Geist. Er kann gut etwas anfangen mit unserem verlorenen Leben, den zerbrochenen Beziehungen, müden Gemeinden und ausgebrannten Herzen. Gott erneuert. Ich sehe ihn am Werk.


 

Monatsimpuls für Dezember 2016

Einfach warten
„Meine Seele wartet auf den Herrn – mehr als die Wächter auf den Morgen.“  (Psalm 130, 6)

 

So eine Nachtwache kann ganz schön anstrengend sein. Der Wächter kämpft gegen die Müdigkeit. Nur nicht einschlafen, von seiner Aufmerksamkeit hängt das Leben der ganzen Siedlung ab. So etwa könnte es in Palästina zur Zeit des Alten Testaments gewesen sein.
Dreitausend Jahre später findet man in des „Schloßthürmers Verrichtungen“ aus dem Jahr 1670 den Aufgabenkatalog des Osterburg-Türmers wie folgt:

„Tags und nachts alle Stunden die Glücke nachschlagen und in ein Posthörnlein zu blasen, Aufsicht auf ausgebrochenes Feuer zu haben und sobald etwas ersehen ward, mit Anschlag der Glocke ein Zeichen zu geben. Ankunft der gnädigsten Herrschaft durch Zinken oder Trompeten blasen zu vermelden, zu unsicheren Zeiten dergleichen Zeichen bei Vermerkung von Streitparteien zu geben. Sonn- und Feiertags in der Kirche mit aufzuwarten, wenn er musikalisch ist, dafern es ohne Abbruch der Schloß- und Stadtwache geschehen kann.“

Wie oft wird der Turmwächter den Sonnenaufgang herbeigesehnt haben? Bloß nicht einschlafen. Warten auf das Morgengrauen. Endlich!
Meine Seele wartet auf den Herrn, schreibt der Psalmbeter.
Dieses Warten ist nicht passiv, warten wir eben mal, weil wir nichts Besseres zu tun haben. Wenn die Selle auf den Herrn wartet, ist das etwas höchst Aktives.
Im Sinne von Entgegenfiebern, Herbeiwünschen.
Unseren (kleinen) Kindern oder Enkeln wird es in dieser Adventszeit wieder so gehen. Warten auf die Geschenke am Heiligen Abend.
Über das Warten auf die Ankunft von Jesus Christus auf der Erde ist schon so viel geschrieben worden. Da gibt es keine neuen Aspekte mehr. Wir haben das „Einfachsein einfach verlernt“, war die Überlegung am Ewigkeitssonntag. Wir haben das rechte Warten verlernt. Mögen wir das wiederfinden:
Einfach warten. Dann hat die Seele Ruh!

Wir wünschen allen Leserinnen und lesern eine gesegnete Adventszeit und ein frohes, friedliches und gnadenbringendes Christfest.


Thomas und Erkan-J. Müller


 

Monatsimpuls für November 2016

Himmelslicht
von Erkan-J. Müller

Der Apostel Petrus schreibt in seinem zweiten Brief, Kapitel 1, Vers 19: „Darüber hinaus haben wir die Botschaft der Propheten, die durch und durch zuverlässig ist. Ihr tut gut daran, euch an sie zu halten, denn sie ist wie eine Lampe, die an einem dunklen Ort scheint. Haltet euch an diese Botschaft, bis der Tag anbricht und das Licht des Morgensterns es in euren Herzen hell werden lässt.“ Neue Genfer Übersetzung Der Morgenstern ist nach Sonne und Mond das mythologisch bedeutsamste Einzelgestirn. Generell wird als Morgenstern das hellste vor Sonnenaufgang hervortretende Gestirn bezeichnet. Die Kulturgeschichte kennt das Motiv des Morgensterns in vielfacher Entfaltung. Als Morgenstern tritt vor allem die Venus auf, wenn sie deutlich vor der Sonne aufgeht. Auch Merkur tritt – wenngleich weniger augenfällig – als Morgenstern in Erscheinung. Von den anderen Planeten ist Jupiter alljährlich etwa zwei Monate strahlender Morgenstern. ®

Diese Angaben gelten für Mitteleuropa. Aber auch in Palästina zur Zeit Jesu haben die Menschen Gestirne gekannt, möglicherweise viel besser, als wir heute. Wenn Petrus nun die Botschaft, hier die prophetische Botschaft, die auf Christus weist, mit einer Lampe vergleicht, deren Licht die Dunkelheit durchdringt, bemüht er in doppelter Hinsicht den Morgenstern. Einmal ist die Botschaft von Jesus Christus – das Evangelium, tatsächlich ein Licht, das vom Himmel kommt und Herzen hell werden lässt, zum anderen ist das schwache Licht eines Planeten immer noch ausreichend, dass unsere Augen es wahrnehmen und wir uns orientieren können.
Wir tun gut daran, uns an die zuverlässige Botschaft zu halten, weil sie Orientierung bietet. Gerade im November, einem der grauen und dunklen Monate im Jahreskreis ist jedes Licht, das die Dunkelheit erhellt, höchst willkommen. Sonne, Mond und Morgenstern sind für uns unverzichtbare Lichtquellen.
Aber das Licht des Evangeliums überstrahlt sie noch. So wird das Himmelslicht zum Herzenslicht!

® Quelle: WIKIPEDIA


 

Monatsimpuls für Oktober 2016

Wynton Marsalis ist einer der populärsten Jazz-Musiker unserer Zeit und vielleicht der größte Jazz-Trompeter aller Zeiten. An einem Abend spielt er mit einer kleinen, wenig bekannten Combo in einem New Yorker Keller-Club. Er hat schon einige Songs seines Sets hinter sich, als er auf der Bühne ganz nach vorne tritt und ein Solo der 30er-Jahre-Ballade “I don’t stand a ghost of a chance with you” beginnt. Das Publikum ist wie gebannt von den Tönen, die die ganze Verzweiflung des Liedes ausdrücken – jede einzelne Note aus der Trompete pressend und ganz eins mit dem Schmerz der Musik. Die Spannung im Raum ist greifbar, als Marsalis zur letzten Zeile des Liedes gelangte – jeden Ton langsamer und langsamer spielend, mit immer länger werdenden Pausen.
In diesem Moment klingelte ein Handy. Ein absurder nerviger Klingelton.Im Publikum machte sich Gemurmel und Gekicher breit. Der Mann mit dem Smartphone stürmt mit hochrotem Kopf und dem Handy in der Hand aus dem Raum und die Magie des Augenblicks ist verflogen. Doch Marsalis beginnt erneut zu spielen.
Und zwar den Klingelton. Note für Note, immer wieder mit verschiedenen Akzentuierungen. Er spielt regelrecht mit der Melodie, entwickelt eine kleine Rhapsodie aus der Tonfolge, wechselt die Tonarten. Das Publikum kommt wieder zur Ruhe und wird gewahr, dass hier etwas Außerordentliches passiert. Mehrere Minuten zaubert Marsalis mit der Melodie und verwandelt eine alberne Tonfolge in ein Kunstwerk – um dieses schließlich wieder zur letzten Zeile des begonnenen Liedes zurückzuführen: “… with … you.” Diese Geschichte, die ich allzu gerne live erlebt hätte, berührt mich. Denn Gott geht mit uns in seiner Zuwendung und Gnade nicht anders um. Wir glauben, wir seien mit unseren Wunden, Verkrümmungen, Versagen nicht mehr zu gebrauchen. Doch Gott macht aus diesen Dingen eine Gabe, ein Gebet, ein Geschenk. Das ist Gnade pur und die frohe Botschaft des Evangeliums. Und genau diese Botschaft ist es, die uns befreit, all das vermeintlich Schmutzige mutig ins Licht Gottes zu holen und heilsam berühren lassen. Deswegen ist Gemeinde, nein, deswegen muss Gemeinde auch mehr und mehr ein Ort, ein Schutzraum sein, in dem Menschen erleben: Hier wird mein Kaputtes zu einer Melodie verwandelt. Wer das miterlebt, kann nicht anders als zu stammeln: „Es gibt dich, Herr.
Du bist da. Du lebst. Du wirkst. Ich will dir ganz gehören!“ Gibt es denn keine Grenze, aber der Gott sagt: „Es reicht?“ Niemals. Denn dann wäre Jesus Tat in Kreuz und Auferstehung begrenzt und hätte keine ausreichende Macht. Im Gegenteil: Wenn wir glauben, dass unser Versagen größer wird – die Gnade wird immer größer (Römer 5,20). Das befreit nicht zum sündigen – es befreit zur Liebe, zur Hingabe und zur Sehnsucht nach Nähe zu diesem Gott, der sich uns so zuwendet!
Mögen wir diese herrliche Grundlage unseres Glaubens mehr und mehr erleben und leben. Dann werden die Menschen automatisch angezogen vom Licht!

Christof Lenzen


 

Monatsimpuls für September 2016

Gott liebt Dich!
von Erkan-J. Müller

Gott spricht durch den Propheten Jeremia (im Monatsspruch für den September):

„Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.“

Je und je bedeutet: immer, fortwährend, ohne Unterlass, beständig, verlässlich, unerschütterlich, glaubwürdig, bedingungslos, treu, ewig.
Gott spricht. Das ist nicht irgendwer. Da ist Autorität. Deshalb ist das, was er sagt auch wahr, wahrhaftig und vertrauenswürdig.
Gott spricht. Die höchste Autorität lässt sich herab, mit ausgewählten Menschen zu sprechen. Im alten Israel waren das Propheten.
Hier war es Jeremia. Er lebte etwa von 627 bis 585 vor Christus.
Gott spricht zu wem? Zunächst ist der klare Adressat das Volk Israel.
Es ist in keiner beneidenswerten Lage. Nebukadnezar, der Herrscher von Babylon, hatte Jerusalem eingenommen und die Elite des Volkes
gefangen und nach Babel gebracht. Doch ist das nicht das Ende.
Gott kündigt Jeremia sein Eingreifen an: Israel und Juda sollen befreit werden. Jerusalem wird wieder aufgebaut. Gott verheißt einen neuen Bund.
Gott verheißt an anderen Stellen das Kommen des Messias.
Durch Jesus sind alle Christen Gottes Bündnispartner geworden.
Beim Abendmahl werden wir stets daran erinnert: „Trinkt alle daraus, das ist mein Blut des neuen Bundes, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ (Matth. 26, 28)

Gott spricht also auch zu uns! Und das tut er sehr persönlich in direkter Anrede „Du“. Er meint Dich.
Und was er Dir sagt, ist etwas unheimlich Wertvolles, es ist ein Liebesbeweis. Gott zieht uns zu sich,
er drückt uns an seine Brust, er drückt uns an sein Herz aus dem Güte fließt, wie ein Gnadenstrom.

Überdeutlich wird dieser Liebesbeweis auch in einem Vers, der in abertausenden Tauf-, Konfirmations- und Trausprüchen steht:
„Ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen.
Du bist mein!“ (Jesaja 43, 1)

 Wir gehören Gott. Es ist wahr: Gott liebt Dich!


 

Monatsimpuls für Juli und August 2016

Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.
 2. Mose 33,19 (E)

Schon mal erlebt? Dass einem Schönheit den Atem raubt? Ein schöner Mensch mit Ausstrahlung, eine überwältigende Landschaft, ein bewegendes Kunstwerk, eine berührende Stelle einer Symphonie oder eines Liedes. Urplötzlich stockt der Atem und eine Saite der Seele wird angeschlagen und schwingt – vielleicht lange ungehört und ungespürt. Schönheit vermag das und unsere Wortwahl spricht Bände: Mir stockt der Atem, es raubt mir den Atem. Das klingt lebensbedrohlich – und das war es auch einmal in der Weltgeschichte.
Mose begegnet Gott. Wenige Verse vor unserer Monatslosung heißt es: „Der Herr und Mose redeten miteinander Auge in Auge, wie Menschen miteinander reden.“ Wahnsinn. Kann man sich das vorstellen? Man kann mit dem Schöpfer des Universums reden!? Doch das ist hier nicht der Fokus. Mose ist verzagt. Er wird von Gott berufen, das Volk zu führen und traut sich nicht. Mose ist radikal ehrlich und spielt nicht den großen Helden. Und Gott geht darauf behutsam ein. Schließlich bittet, ja fordert Mose fast zur eigenen Stärkung und Versicherung, doch einmal die Herrlichkeit (den Glanz) Gottes sehen zu dürfen. Auch darauf geht Gott ein und spricht zu ihm mit unserem Vers. Doch er macht auch klar: Mein Gesicht darfst du nicht sehen. Sonst müsstest du sterben, weil du so viel Schönheit nicht aushalten kannst. Dann geht er an Mose vorbei und dieser darf eine Ahnung von Gott bekommen und einen Blick auf seinen „Rücken“ erhaschen. Was für eine dramatische Situation. Und wie verständlich und nah… Wie oft bin ich manchmal in vertrackten Situationen, in denen ich nicht weiter weiß und Gott bitte: Kannst du dich mal zeigen? Mir klar machen, dass du da bist? Egal ob Privat- oder Gemeindeleben: Dieses Leben kann bedrängen und verängstigen. Ist es da nicht menschlich, sich bei Gott zurück zu versichern und Halt zu suchen? Wie gut, dass wir als Christen wissen, an wen wir uns wenden können – genau wie Mose! Doch ahnen wir, wieviel unendlich größer und umfangreicher die Antwort Gottes uns gegenüber ausfällt? Wenn Mose etwas Großes erlebt hat – wir dürfen das Unaussprechliche wissen und leben: Gott geht nicht nur vorbei, er wohnt in dir, wenn du ihm vertraust. Immer.
Auch wenn du strauchelst und fällst. Seine Gegenwart ist nicht temporär – sie ist ewig. In dir. Bei dir. Immer. Spürst du es nicht? Damals wie heute sind wir aufgefordert, ihn anzuschauen. Heute: Jesus anzuschauen. Wer IHN anschaut, kann nicht gleichzeitig die Probleme anschauen. Wer IHN anschaut und die geistliche Realität seiner Gegenwart glaubt und in solchen Momenten vielleicht sogar laut ausspricht („Du bist hier. Jetzt. In mir. In meiner Situation. Mir ist vergeben. Ich bin ein Königskind! u.v.m.“), der wird auch emotional diese Realität mehr und mehr erleben. Unser Empfinden folgt unseren Überzeugungen – nicht andersherum. Schauen wir auf Jesus, sprechen wir die Wahrheit aus – als Gemeinde und als Einzelne. Und wir erleben seine Schönheit, seinen Glanz, seine Güte, seine Macht.

Christof Lenzen


 

Monatsimpuls für Juni 2016

Jede(r) kann singen

Der Schrecken sitzt dem Volk Israel noch in allen Gliedern. Gerade sind sie dem sicheren Tod entronnen. Doppelt war die Gefahr. Schwer bewaffnete Ägypter würden sie zur Umkehr zwingen, anderenfalls erschlagen. Oder sie würden schlicht und einfach im Schilfmeer ertrinken.
Aber Gott teilte das Meer durch einen starken Ostwind und ließ damit eine Passage offen für sein Volk. Die Israeliten kamen sicher an das andere Ufer. Die Ägypter ertranken mit Mann und Maus, respektive Pferd. Damals sangen Mose und seine Volksgenossen Gott ein Loblied.
Nachzulesen ist das in voller Länge in 2. Mose 15, 1 – 21. Der Vers 2 begleitet uns durch den Juni. Nach der Einheitsübersetzung lautet er:

Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.“

Kein Wunder, nach diesem Erleben, sitzt die Zunge locker und es singen auch die mit, die vermeintlich gar nicht singen können. Bemerkenswert ist, dass nicht von Schreien, Weinen oder Beten die Rede ist, sondern von Singen.
Singen nach überstandener Gefahr oder Krankheit ist nichts Ungewöhnliches. Singen kann jeder. Es gibt keine unmusikalischen Menschen. Dies war die feste Überzeugung meines Musiklehrers in der Oberstufe. Sicher darf man da differenzieren und man kann Qualitätsunterschiede feststellen. Aber eins ist klar: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über,“ übersetzte Luther in Matthäus 12, 34.
Der lateinische Originaltext lautet: „ex abundantia cordis os loquitur“ Aus dem Überfluss des Herzens spricht der Mund.
Und genau da liegt der Hase im Pfeffer oder das ägyptische Pferd im Schilfmeer. Wir erleben unseren großen Gott im Alltag nicht mehr als Retter. Wir verlassen uns nicht auf seine Stärke, weil wir viel zu oft meinen, alles in die eigenen Hände nehmen zu müssen. Gehen wir doch bitte mit offenen Herzensaugen durch die Welt und rechnen mit dem Wirken des Herrn, denn er tut Wunder.
Ich wünsche euch jeden Tag einen guten Grund für einen Lobgesang, denn jede und jeder kann singen.

Euer Erkan


 

Monatsimpuls für Mai 2016

Von der Selbsterkenntnis bei einem schwierigen Thema

Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist,

der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst.“ 1. Korinther 6,19

Unser Körper – ein Tempel? Komische Vorstellung. So abstrakt. In Zeiten wo der Körper ein klassisches Renditeobjekt ist, wo man mit Diäten, Nahrungsergänzungsmitteln, aber auch mit Drogen ein Heidengeld verdienen kann, wo sich Vegetarier mit Veganern um die Wette gesund ernähren und wo Fundamentalisten alle anderen Lehren von gesunder Lebensweise, die nicht den eigenen entsprechen, in Grund und Boden verdammen, kann uns die Mahnung des Apostels Paulus mal wieder aufschrecken. Rauchen ist schädlich, zu viel Zucker ist schädlich, zu viel Salz schadet dem Herzen. Und Fleisch? Pünktlich zum Auftakt der Rostersaison warnt die Internationale Agentur für Krebsforschung mal wieder vor Acrylamid, das beim Grillen und Frittieren entsteht.

Im 6. Kapitel geht es ab Vers 9 aber um viel mehr als um ungesunde Ernährung oder Trunksucht. Es geht um eine Aufzählung von Sünden, die uns vom Reich Gottes trennen können. Da werden auch Geiz und Diebstahl genannt und Leute, die in sexuell ungeordneten Verhältnissen leben. All das passt nicht zu einer Wohnung, in der der Heilige Geist zu Hause ist. Das ist schon eine besondere WG. Diese Wohnung müsst ihr sauber halten, sagt Paulus. Und es kommt noch abstrakter. Diese Wohnung gehört nicht mal uns. Sie ist sozusagen nur gemietet. Wir können mit unserem Leib nicht machen, was wir wollen, weil er uns nicht gehört. Licht in diesen philosophischen Exkurs bringt der Vers 20. Da wird es wieder ganz konkret: Wir sind teuer erworben worden. Christus hat mit seinem Blut für uns bezahlt. Damit ist die Seele gerettet und auch der Leib „teuer erkauft“. Mühen wir uns, dass wir Gottes Reich nicht verpassen, darum gebt Gott die Ehre – auch mit einem sauberen Körper.

Kluge Ratschläge geben, kann der Erkan, werdet ihr jetzt denken, und selbst? Ihr habt völlig recht, ich müsste zehn Kilo abnehmen.

Ich wünsche allen einen schönen, sonnigen Mai mit genug Bewegung.

Euer Gemeindebriefredakteur
Erkan-J. Müller

 


 

Monatsimpuls für März 2016

Gott ist die Liebe

Der Spruch, der uns durch den März begleiten will, gehört zu den zentralsten Aussagen des Neuen Testaments und bündelt geradezu das ganze Evangelium in einem Vers:

„Jesus Christus spricht: Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!“

Ein wunderbares Beispiel für diese Art Liebe ist die Erzählung von der Fürsorge und Treue Gottes, die einige von uns kürzlich in der Predigt im Gottesdienst gehört haben. Es ist ein Auszug aus dem Kapitel Lebenserfahrungen aus dem FeG-Buch „Bewegt von Gottes Liebe“. Da spricht Gott zu einer Frau und sagt ihr, sie möge einer entfernten Bekannten eine Botschaft zukommen lassen. Sie soll ihr sagen: „Ich habe dich nicht vergessen!“ Die Frau überlegt, ob sie anrufen oder hingehen sollte. Sie überlegt weiter, wie man das erklären müsste. Schließlich ist nicht selbstverständlich, dass jene Bekannte etwas von Gott weiß. Nach einigem Hin und Her schreibt sie den Satz auf eine Postkarte: „Gott hat dich nicht vergessen.“ Sie hat noch ein paar Sätze mehr geschrieben, aber das war der Kern der Botschaft. Was sie nicht wissen konnte – die Bekannte macht gerade eine schwere Zeit durch. Nichts hält mehr, sie hat den Boden unter ihren Füßen verloren. Keine Hoffnung. Sie beschließt, sich das Leben zu nehmen. Nur noch einmal, ein letztes Mal, will sie zum Briefkasten gehen. Ihr wisst, was drin lag und ihr ahnt, was dieser Satz bewirkt hat.

„Ich habe dich nicht vergessen.“ Diese Botschaft verändert alles. Diese Liebe ist so stark, so Leben spendend, so hoffnungsvoll. Bewegt von Gottes Liebe war auch unser Herr Jesus. In diesen Passionstagen erinnern wir uns an sein Leid, an seine Schmerzen und an seinen Tod. Mit dieser Erinnerung gebe ich euch auch eine Mahnung mit: Vergesst mit dem Blick auf Ostern nicht zu schnell den Karfreitag! „…, so habe auch ich euch geliebt.“ Danke Jesus!

Lasst uns in seiner Liebe bleiben, denn Gott ist die Liebe.

Liebe Grüße,
Erkan-J. Müller


 

Monatsimpuls für Februar 2016

Beten ohne Glauben ist sinnlos

Erst vergeben – dann beten!
Wie fast immer in den drei ersten Evangelien ist das Reden und Handeln Jesu sehr kompakt dargestellt. In einem Kapitel werden oft viele Dinge beschrieben, die geschehen sind und woran sich die Evangelisten erinnert haben.
Im elften Kapitel beschreibt Markus den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem, auf einem Eselfohlen sitzend, bejubelt und beklatscht von der Menge. Am Morgen des folgenden Tages, zur Frühstückszeit, hat Jesus Hunger, möchte Feigen essen, findet keine am Baum und verflucht ihn. So ungefrühstückt wächst sein Zorn rasch und er wütet gegen die Händler und Geldwechsler: „Mein Haus soll ein Bethaus sein, aber ihr habt eine Räuberhöhle daraus gemacht.“. Am Morgen des dritten Tages sehen die Jünger, dass der Feigenbaum verdorrt ist, sind verblüfft und erschrocken. Wie viel Macht hat ihr Rabbi, fragten sie sich.
Jesus wendet sich an seine Begleiter und spricht mit ihnen über die Macht des Glaubens und des Gebetes.
Da ist von Berge versetzen die Rede und dass Gott (eigentlich) jede Bitte erfüllt, wenn wir Glauben hätten (Vers 23 +24).
Aber dann kommt:
Wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen,
dann vergebt ihm, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt.“ (Vers 25)
In diesem Monatsspruch stecken Ermahnung, Zuspruch und Verheißung.
Typisch Jesus!
Er verspricht Vergebung unserer Sünden und beschreibt die Wechselwirkung:
Vergeben wir, dann wird auch uns vergeben!
Fühlt sich irgendwie wohlig an. So wie, wenn unsere Mutter uns früher verziehen und getröstet hat. Auch das kann und will Gott. Trösten.
Das hat er uns versprochen. Nicht nur ein Jahr lang.
Nicht nur im Jahr Zweitausendundsechzehn!

Liebe Grüße
Erkan-J. Müller


 

Gedanken zur Jahreslosung 2016

Gott spricht: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Ich brauche Trost. Zum Beispiel, wenn ich frustriert bin, weil ich mich bis zum Umfallen engagiert habe und es danach vor allem Kritik hagelt. Das macht fertig. Oder wenn ich traurig bin, weil mir jede Perspektive abhanden gekommen ist oder der Schwung für neue Taten. Vor allem, wenn jemand stirbt, der mir viel bedeutet, brauche ich Trost.

Das geht Ihnen sicherlich auch so. Nicht immer, zum Glück, aber immer mal wieder. Wir brauchen Trost immer dann, wenn uns etwas verloren geht, das unser Leben ausgemacht hat. Sei es die Heimat, sei es der Job, die Ehe oder eben ein Mensch. Und wenn ich die Nachrichten sehe, die sich meistens um Katastrophen drehen, frage ich mich: Ist die Welt noch bei Trost?

Ich habe zwei Arten des Trostes entdeckt. Die eine ist ein Mensch, der mich einfach seine Nähe spüren lässt. Vor dem ich mich nicht rechtfertigen muss. Ein Mensch, bei dem ich mal durchatmen, vielleicht auch eine Träne weinen kann. Das tut einfach gut und es tröstet schon, dass ich so ehrlich sein kann. Die andere ist eine neue Perspektive, die ich gewinne. Das frustrierende Projekt sieht ein anderer Mensch mit ganz anderen Augen. Durch ein paar Sätze zeigt er mir: Es geht weiter.

Als ich die Jahreslosung 2016 das erste Mal las, fragte ich mich: Trösten Mütter eigentlich anders als Väter? Vielleicht sogar besser? Ich machte eine spontane, nicht

repräsentative Umfrage. Dabei hörte ich, dass manche Mütter viel zu beschäftigt waren, um zu trösten. Sie waren hart geworden. Das ist bedauerlich, sowohl für die Kinder als auch für die Mütter.

Durch den Propheten Jesaja sagt Gott diese großartigen Worte: „Ich tröste wie eine Mutter.“ Gott handelt. Gott schafft neue Fakten. Gott wirkt mitten in dieser Welt. Und er kündigt es durch sein Wort an. Er vermittelt also nicht nur Nähe, er tut auch etwas Bahn brechend Neues. Er tröstet wie eine Mutter, die nicht nur pustet (das auch), sondern sich der feindlichen und lebensbedrohlichen Welt mit Tatkraft und Mut entgegenstellt und sie verändert.

Sehr interessant ist, woher das Wort „Trost“ kommt. Der Duden erklärt, dass es mit „treu“ zu tun hat, mit „innerer Festigkeit“, mit „stark und fest sein“. Wer tröstet, gibt Halt, Stärkung und Ermutigung. Er gibt etwas, woran man sich festhalten kann. Trost ist also einerseits erfahrbare Nähe und Verständnis. Andererseits ist es mutiges Handeln für jemanden, handfeste Taten und Fakten. So kommen Traurigkeit und Schmerz zur Ruhe. Ich kann wieder das große Bild sehen und merke: Meine Situation ist wirklich schlimm, aber Gott wird es gut machen.

Allen, die Trost brauchen, sei es hier und jetzt gesagt: Gott tröstet euch, wie einen seine Mutter tröstet. Er ist euch nahe und er schenkt euch Halt, einen festen Grund und eine neue Perspektive. Der allmächtige Gott tröste Sie durch Jesus Christus in der Kraft des Heiligen Geistes, der auch „der Tröster“ genannt wird.

Präses Ansgar Hörsting